Das Feierjahr in Gatow begann bereits im Mai und wird sich noch bis in die Weihnachtszeit erstrecken, aber der September 2008 wird wohl als einer der bedeutendsten Monate in die Annalen der Gatower Geschichte eingehen. Am 6. September wird die neue alte Bockwindmühle, die auf dem rund 52 m hohen Windmühlenberg - nahe ihrer ursprünglichen Stelle – errichtet worden ist, ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Mühleneinweihung findet ab 14 Uhr statt und der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit, wird dem Festakt beiwohnen.
Der um die Bewahrung und Wiederherstellung des traditionellen Ortsbildes sehr bemühte Förderverein Gatow hatte sich bereits 2004 zum Ziel gesetzt, eine neue Windmühle als Wahrzeichen des Dorfes Gatow wieder auferstehen zu lassen. Der Vorsitzende des Fördervereins, Ulrich Reinicke, träumte damals schon von einer weithin sichtbaren Mühle auf dem Windmühlenberg, also auf historischem Grund. Nachdem die ersten Spenden in Höhe von 10.000 Euro gesammelt waren und die Reste einer alten Mühle, die im brandenburgischen Wriezen eingelagert waren, nach Gatow geholt wurden, fehlte lange Zeit die nötige Finanzierung für das aufwendige Projekt. Mit Hilfe des Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit unterstütze schließlich die Stiftung Deutsche Klassenlotterie das Unternehmen mit 150.000 Euro und weitere 30.000 Euro steuerte der Verein bei. Nach monatelanger Arbeit und minutiöser Arbeit ist die Windmühle nun fertig gestellt und ragt als stolzes Bauwerk über das Dorf Gatow als unverwechselbares Wahrzeichen.
Bei der Gatower Windmühle handelte es sich um eine Bockwindmühle, deren Besonderheit darin besteht, dass das gesamte Mühlenhaus auf einem einzelnen Pfahl steht, auf dem es in den Wind gedreht werden kann.
Die ehemalige Bockwindmühle datierte aus dem Jahr 1824, denn als es 1810 mit der Einführung der Gewerbefreiheit zur Errichtung einer eigenen Windmühle für die Gatower Bauern kam, fand der Mahlzwang in der Spandauer Mühle ein Ende und die Gatower Bauern konnten ihr Getreide nun in unmittelbarer Nähe mahlen. Doch seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Windmühlen durch Motormühlen ersetzt und verfielen immer mehr. So war der damalige Mühlen- und Bäckereibesitzer Ernst Krause froh, sie an eine Filmgesellschaft verkaufen zu können. Sie diente in dem 1921 gedrehten Film „Die Mordsmühle von Evanshill“ als Requisite und wurde zum Schluss in Brand gesteckt.